Thüringer Bildungssymposium
Meister-Eckhart-Brief

  Muster der Urkunde
Meister-Eckhart-Brief 2005
des Thüringer Kultusministeriums

Der in diesem Jahr neu eingeführte Meister-Eckhart-Brief ist eine besondere Auszeichnung des Thüringer Kultusministeriums. Sie wird in diesem Jahr erstmals an 10 Persönlichkeiten vergeben.

Im Text der Urkunde, die von dem Erfurter Künstler Horst Feiler gestaltet wurde, heißt es:
"[Name des Preisträgers] wird in Anerkennung und Würdigung langjähriger Verdienste und engagierten, verantwortungsvollen Wirkens für die Thüringer Bildungslandschaft der Meister-Eckhart-Brief des Freistaats Thüringen verliehen. Erfurt, am 27. Mai 2005".

Die zehn Urkunden sind unterschrieben von Ministerpräsident Dieter Althaus und Kultusminister Prof. Dr. Jens Goebel. Die Urkunden werden an einen Erzieher bei staatlichen / kommunalen Einrichtungen, an zwei Erzieher bei freien Trägern, an jeweils einen Schüler, einen Schulträger, eine Sonderpädagogische Fachkraft, an zwei Lehrer, an einen Elternvertreter und einen Schulleiter verliehen.

Die Vorschläge für die auszuzeichnenden Personen wurden in einem basisdemokratischen Verfahren bestimmt, indem Schulträger, Träger von Kindertageseinrichtungen, Verbände etc. von Kultusminister Prof. Goebel angeschrieben und um Vorschläge gebeten wurden. Vorschläge aus dem Thüringer Kultusministerium selbst wurden nicht zugelassen.

Warum der Name "Meister-Eckhart-Brief"?
Meister Eckhart hat einen Bezug zu Thüringen, und er ist der Urheber des Begriffs "Bildung". Zudem erinnert der Name an den klassischen "Meister-Brief". Meister Eckhart ist um 1260 in Hochheim bei Gotha geboren. Ab 1294 war er im Dominikanerkloster in Erfurt. Um 1298 wurde er Prior des Erfurter Klosters und Vikar der Dominikaner in Thüringen. Von 1303 bis 1311 war er Provinzial der Ordensprovinz Saxonia, bestehend aus 47 Konventen, mit Sitz in Erfurt. Es gibt also eine enge Beziehung zwischen Meister Eckhart und Thüringen.

Man hat Meister Eckhart auch als "christlichen Platon" bezeichnet. Eckharts Bildungsbegriff thematisiert den Menschen mit seinem besonderen Verhältnis zu Gott. Der Mensch scheint bei Eckhart als Subjekt auf, dem alle bildnerischen Bemühungen zu gelten haben. Hier nimmt Meister Eckhart schon die Subjektivität der Neuzeit vorweg. In der Nachfolge Meister Eckharts wurde "Bildung" zum Zentralbegriff der sich entwickelnden Pädagogik. Dabei ist seine Bildungslehre wesentlich auf die Bildung des inneren Menschen bezogen. Er fordert aber nicht ein kontemplatives Verharren in der Freiheit Gottes, sondern eine aktive Zuwendung zur Welt: Aufgrund der erfahrenen Bildung soll der Mensch zum praktischen Tun des Guten in der Welt angehalten werden. Bildung geschieht bei Eckhart ebenso von außen durch Gott, wie auch von innen durch die aufbrechende Bewegung zu Gott. Eckhart ist der Auffassung, dass das Erlebnis der Vereinigung mit Gott zu einer bewussten Hinwendung zur Welt und zur Weltgestaltung führen muss.

Nicht nur der Begriff "Bildung" an sich ist von Eckhart geprägt, auch wesentliche Merkmale des Bildungsganges finden sich bei ihm. Eckhart selbst versteht sich nicht als scholastischer Lesemeister, sondern als Lebemeister: Es geht ihm darum, dass sein Ideal vom gebildeten Menschen so in das Leben gestellt wird, dass es wieder Leben erzeugt. Die Praxis ist ihm wichtiger als die Theorie. Eckhart fordert die Zuwendung zur Welt als ein unabdingbares Element der wirklichen Erfahrung der Einheit mit Gott.

 Preisträger des Meister-Eckhart-Briefs
 Pressemitteilung des Kultusministeriums